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Skurril und angenehm abgedreht

Der Schriftsteller und ehemalige Lehrer Markus Orths liest am Meranier-Gymnasium aus „Alpha & Omega“

Kurz vor Weihnach­ten war es wieder soweit, die alljährliche Autorenlesung des Meranier-Gymna- siums-Lichtenfels konnte nach anfängli­chen Turbulenzen und einer Terminver­schiebung wegen des Bahnstreiks im No­vember endlich stattfinden.

Diesmal präsentierte Markus Orths seinen neuen Roman „Alpha & Omega“ (Schöffling) vor den Schülern der Jahr­gangsstufen 10 bis 12. Orths, dem kun­digen Leser bekannt durch seinen Best­seller „Lehrerzimmer“ (2003), hat inzwi­schen den Mikrokosmos Schule, dem er kurzzeitig selbst als Lehrkraft angehörte, auch literarisch längst verlassen.

In „Alpha & Omega“ geht es um viel mehr, gleich die Rettung des gesamten Universums steht auf dem Plan in dem Science-Fiction-Roman, der durch viele verschachtelte, detailverliebte, mitunter auch abwegig erscheinende Rand- und Nebenhandlungen sowie durch skurrile Figurenzeichnung dem Leset über 500 Seiten einiges an Konzentration abver­langt.

Markus Orths wählte aus dieser abge­drehten Story verschiedene kurzweilige Szenen aus, die er den Schülern vorlas und gut verständlich in den Gesamtkon­text des Wälzers einbettete. Da sein Schreibstil von Absurdität, Ironie und Kalauern durchsetzt ist, sorgte dieser ers­te Teil der Lesung für heitere Stimmung bei den Zuhörern.

Im Anschluss an die dreiviertelstündi­ge Lesung erzählte der Autor über die Ideenfindung, das Schreiben als Prozess und ging auf viele Schülerfragen aus­führlich ein.

So erfuhr man beispielsweise, dass für ihn ein wesentlicher Ausgangspunkt eines Romans die Recherche und die richtige Uhrzeit ist. Denn Schreiben sei im Dämmerzustand wesentlich effekti­ver und gehaltvoller - Gott sei dank gibt es in Karlsruhe eine Bibliothek, die täg­lich 24 Stunden geöffnet hat und wo man Herrn Orths normalerweise ab halb fünf früh finden kann. Sechs Stunden konzentriertes Schreiben seien dann All­tag. Danach sei der Kopf aber leer, so der Autor. Zudem müsse man ja auch noch Geld verdienen, denn mit Büchern allei­ne ist das höchstens für absolute Bestsel­lerautoren möglich, von denen es in Deutschland leider nur sehr wenige ge­be. Wie man als Autor dann so viel ver­dient, dass auch eine Familie davon le­ben kann, erklärte er offenherzig: Lesun­gen spielen hierbei eine wesentliche Rol­le.

Die erste Leserin und vor allem Kriti­kerin sei seine Ehefrau, die für den Ent­stehungsprozess der Werke eine sehr wichtige Rolle spielt. Sie übernehme die Rolle eines wohlmeinenden, hilfreichen Korrektors und streiche ihm auch rigo­ros überflüssige Details.

Auch Freunde und Kollegen gäben Rückmeldungen zu seinen literarischen Ideen, noch lange bevor die Fahnen beim Lektorat' liegen. Dort erhalten dann der Roman oder auch die Erzäh­lungen, die er immer wieder gerne zwi­schendurch schreibt, den letzten Schliff. Diese Art von Kritik empfindet der Autor neben dem richtigen Maß an Selbstkritik für unabdingbar auf dem Weg eines gu­ten Schriftstellers. Verrisse oder Lobes­hymnen nach der Fertigstellung seines Werkes versuche er dagegen inzwischen nicht mehr ernst zu nehmen, da das konstruktive Element fehle.

Mit viel Energie, Erzähllust und Schü­lerempathie schaffte es der gesundheit­lich angeschlagene Markus Orths auch in Lichtenfels, „Vergnüglichkeit und Anspruch, Leichtigkeit und Tiefgang miteinander zu verbinden“ (Badische Zeitung vom 13. Mai 2013) und die Schüler und Schülerinnen für die deut­sche Gegenwartsliteratur zu interessie­ren. So war auch die 25. Autorenlesung des MGL ein voller Erfolg.

 

Barbara Reidelshöfer, StRin